Ehrenamt – PC-Unterricht bei Herrn Köster

Kleine Tricks für den Alltag: Mario Rostin ist im Umgang mit seinem Computer versiert. Jürgen Köster zeigt im ein paar besondere Kniffe.

PC-Unterricht für Menschen mit Behinderungen

Jürgen Köster unterrichtet Beschäftigte der Lübbecker Werkstätten ehrenamtlich

Lübbecke - Bünde (LH). Der Schulungsraum der ReTec Industrieservice in der Bünder Junkersstraße ist leicht abgedunkelt. Ein Beamer summt und projiziert eine Tabelle mit Zahlen an die Wand. Davor steht Jürgen Köster. Mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand zeigt er auf zwei Zahlen in einer Säule. Den Blick seinen Schülern zugewandt erklärt er, wie man mit einem Tabellenkalkulationsprogramm den Überblick über den eigenen Haushalt behält.

Diese Schulungssituation an sich ist so ungewöhnlich nicht in Deutschland, der Unterricht bei ReTec Industrieservice allerdings fällt aus dem Rahmen. Denn unterrichtet werden hier die Beschäftigten einer Einrichtung zur Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen, die mit psychischen Einschränkungen leben.


Tabellenkalkulation anschaulich dargestellt: Jürgen Köster erklärt, wie man mit Tabellenkalkulation arbeitet und für welche Zwecke man die Programme nutzen kann.

Und der Lehrer Jürgen Köster unterrichtet ehrenamtlich. Vor fünf Jahren hat der Sechzigjährige seine Laufbahn als Offizier der Bundeswehr beendet. Seitdem widmet er einen Teil seiner Zeit den Beschäftigten der Lübbecker Werkstätten, und vermittelt ihnen den richtigen Umgang mit dem Computer. „Bei der Bundeswehr war ich für Logistik verantwortlich“, erzählt Köster. „Und in der Logistik geht nichts ohne Computer.“ Von den alltäglichen Office-Programmen bis SAP - Köster hat mit allen gearbeitet und auch Mitarbeiter geschult. „Seine umfassende Erfahrung und sein Praxiswissen gibt Herr Köster jetzt an Menschen mit Behinderung weiter“, berichtet Heike Attrot von der Koordinationsstelle Ehrenamtliches Engagement der Lebenshilfe Lübbecke. „Auch für Menschen mit Behinderung kann der Computer ein wichtiges Hilfsmittel sein. Er vereinfacht die Kommunikation, hilft Informationen zu finden oder hilft bei der Haushaltsführung - die richtige Schulung vorausgesetzt. Und ich muss sagen: Herr Köster macht das richtig gut!“


Schulung in kleinen Gruppen: Marina Schnoor (l.) und Mario Rostin (r.) verfolgen auf dem Whiteboard, was Jürgen Köster erklärt und wie er mit dem Programm arbeitet.

Der Unterricht findet in kleinen Gruppen statt, die Unterrichtsschwerpunkte richten sich nach den Wünschen der Schüler. „Wir steigen mit einfachen Inhalten ein“, erklärt Köster noch im Schulungsraum. „Worauf muss ich achten, wenn ich im Internet unterwegs bin? Wie schreibe und versende ich eine Email? Das sind grundsätzliche Dinge, die auch Menschen mit Behinderung können möchten. Tabellenkalkulation ist da schon komplizierter, aber auch daran haben einige Beschäftigten der Lübbecker Werkstätten großes Interesse. Weil sie z.B. ein Haushaltsbuch führen möchten, um ihre Ausgaben planen zu können, damit auch am Monatsende noch das ein oder andere Extra drin ist.“ Mit seinem Unterricht geht Köster zu den Schülern. In die Betriebsstätte „STABAK-Industrieservice“ in Lübbecke und zum „ReTec Industrieservice“ in Bünde-Ennigloh kommt er regelmäßig, aber auch in der Betriebsstätte „Oberbehme“ im gleichnamigen interkommunalen Gewerbegebiet der Städte Kirchlengern und Löhne hat er bereits Menschen mit Behinderungen unterrichtet.

Interessiert und engagiert: Jürgen Köster hat sich entschlossen, den Ruhestand nicht nur zu genießen, sondern auch etwas für Andere zu tun. Ehrenamtlich unterrichtet er Beschäftigte der Lübbecker Werkstätten im Umgang mit dem Computer.

 

Die Termine stimmt er mit den Betriebsstätten und seinen Schülern ab. „Mir ist wichtig, dass die Beschäftigten sich auf mich verlassen können“, sagt Köster. „Lernen braucht Beständigkeit - von beiden Seiten. Wenn ich sehe, welche Fortschritte meine Schüler machen, dann freut mich das sehr. Diese Freude und der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, das ist meine Motivation.“

Ehrenamtskoordinatorin unterstützt

Aktuell engagieren sich etwa 75 Ehrenamtliche in den Wohnheimen, Werkstätten und Kindertagesstätten der Lebenshilfe Lübbecke und bei freien Projekten. „So wie Herr Köster bringen alle etwas aus ihrer Welt in die Welt der Menschen mit Behinderung mit", erklärt Attrot. „Bei vielen stelle ich eine Motivationsverlagerung fest: Vom Ich-tue-etwas-Gutes-Gedanken hin zum Ehrenamt-ist-eine-Bereicherung-Gefühl.“ Etwas Zeit für andere zu haben, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Mehr brauche es nicht, um zu helfen.
Tätigkeiten gibt es mehr als genug. Mehr als 100 Vorschläge hat Heike Attrot in ihrem Büro an der Kaiserstraße 12 in Lübbecke auf dem Zettel stehen: Vom gemeinsamen Kaffeetrinken, Einkaufen oder Friseurbesuch über Schwimmen und Radfahren bis hin zum Kochen und Backen oder Sprachunterricht, mit einzelnen Menschen mit Behinderung und mit ganzen Gruppen. Weitere Informationen finden Interessenten im Internet unter www.lebenshilfe-luebbecke.de. Unter der Telefonnummer 05741 / 250 17 16 oder der Emailadresse attrot@lebenshilfe-luebbecke.de ist Heike Attrot auch persönlich erreichbar.

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